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Stolpersteine in Mainz

english version below

Dr. Joan Long Salomon legte rote Rosen an den Stolperstein von Julius Hirschberger
Dr. Joan Long Salomon legte rote Rosen an den Stolperstein von Julius Hirschberger

Am 15. Oktober 2015 hatten wir glücklicherweise Gelegenheit an der Stolpersteinverlegung in Mainz teilzunehmen und dabei nicht nur die Urenkelinnen von Simon und Juliane Gaertner wiederzusehen, sondern auch Dr. Joan Long Salomon kennenzulernen, die uns beim Auffinden der Grabstätte von Sophia und Moses Mayer in New Jersey behilflich gewesen war.

Der Tag begann mit der Verlegung eines Stolpersteins für Julius Hirschberger am Hindenburgplatz 3. Joan Salomon hatte für diesen Stein die Patenschaft übernommen. Die New Yorkerin möchte in Zukunft die Geschichte derjenigen Mainzer Juden recherchieren, die keine Nachfahren haben, die sich an sie erinnern können. 2014 war sie das erste Mal in Mainz gewesen, um an der Klarastraße 29 für ihre Mutter Helina Mayer, Großmutter Jettchen und ihre Tante Ruth Stolpersteine verlegen zu lassen.

Kennkarte Julius Hirschberger
Kennkarte Julius Hirschbergers. Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Uni Heidelberg

Julius Hirschberger, ein Weinhändler, hatte seine Frau 1927 während der Geburt des ersten Kindes verloren. Auch das Kind starb ein halbes Jahr später. Als der Witwer 1939 mit 61 Jahren nach Belgien floh, mittellos und hungernd in einem ungeheizten Kellerraum hausen musste, schrieb er in seiner Not an den New Yorker Governeur Herbert H. Lehman, von dem er glaubte, dass er ein Verwandter seiner Großmutter sei. Er bat ihn um warme Wäsche und eine Unterstützung, damit er nicht verhungern müsse. Er selber hinge nicht mehr am Leben, aber er wollte seiner Familie keine Schande machen. Hunderte solcher Briefe erreichten den prominenten New Yorker in dieser Zeit. Auch wenn er die Verzweifelten nicht alle durch eine Bürgschaft retten konnte, ließ er es sich nicht nehmen, auch Julius Hirschberger monatlich eine kleine Summe zu schicken, die ihm ein wenig menschliche Würde ermöglichte. Am 24. Oktober 1942 wurde Julius Hirschberger aus dem Internierungslager Malines nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Lisa, Miriam, Naomi und Eva bei der Stolpersteinverlegung an der Kaiserstr. 24
Lisa, Miriam, Naomi und Eva bei der Stolpersteinverlegung für die Ur(ur)großeltern an der Kaiserstr. 24.

Der Weg führte uns weiter an die Kaiserstraße 24, wo zwei Stolpersteine für Juliane und Simon Gaertner verlegt wurden. Auch Simon Gaertner war im Weinhandel tätig gewesen nachdem er sein Herrenbekleidungsgeschäft in Solingen 1915 hatte aufgeben müssen. Zwei seiner drei Söhne waren im ersten Weltkrieg gefallen, der dritte Sohn Willi nach dem Krieg ebenfalls im Weinhandel tätig. Auch Willi wurde während der Novemberpogrome 1938 wie alle jüdischen Männer von der Gestapo verhaftet. Das brachte seine Mutter Juliane derart in Rage, dass sie ohne zu zögern ins Hauptquartier der Gestapo marschierte und verlangte, dass man ihr den einzigen Sohn lassen solle, wo sie doch schon zwei fürs Vaterland gegeben habe. Ihre Courage zeigte Wirkung: kaum eine Viertelstunde später konnte Willi das Gefängnis verlassen.

Golden wedding of Simon and Juliana Gaertner in Mainz in 1937, together with son Willi, his wife Johanna and granddaughter Elsbeth. Source: Elsbeth Lewin
Goldhochzeit von Simon and Juliana Gaertner 1937 in Mainz, zusammen mit Sohn Willi, Schwiegertochter Johanna und Enkelin Elsbeth. Quelle: Naomi Lewin

Willi Gaertner emigrierte mit Frau und Tochter in die USA. Sein Vater Simon starb 1940 in Mainz an einem Herzanfall und wurde auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Es gelang Willi nicht, seine Mutter Juliane in die USA nachzuholen. Sie wurde am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 15. Dezember 1942.

Naomi Juliane Lewin, älteste Enkelin von Willi Gaertner, war mit ihren beiden Schwestern Miriam und Eva und deren Tochter Lisa aus den USA nach Mainz gekommen. Da Naomi vor Jahren am Mainzer Peter Cornelius Konservatorium Gesang studiert hat, hielt sie ihre Ansprache auf deutsch:


On October 15, 2015 we were happy to join the Stolperstein laying in Mainz and meet the great grand daughters of Simon and Juliane Gaertner again, but also get to know Dr. Joan Long Salomon, who helped us finding the gravesite of Sophia and Moses Mayer in New Jersey.

The day began with the laying of a stone for Julius Hirschberger at Hindenburgplatz 3. Joan Salomon sponsored this stone since she planned to research the fate of Jewish victims of Mainz that have no descendants to remember them. She first visited Mainz in 2014 to have Stolpersteine laid for her mother Helina Mayer, her grandmother Jettchen and her aunt Ruth at Klarastraße 29.

Julius Hirschberger, a wholesale dealer in wine, lost his wife in childbirth in 1927. His child died only six months later. When the 61 year old widower had to flew to Belgium in 1939, dwelling in an unheated cellar, hungry and out of money, he wrote to the New York governor Herbert H. Lehman. He belived that Lehmann was a relative of his grandmother and begged for warm underwear and a little money to buy some food. He didn’t cling to live but didn’t want to put his family to shame. Hundreds of such letters reached the prominent New York citizen at the time. Although he couldn’t save all of the desperate with an affidavit, he didn’t miss to send a monthly small amount to Julius Hirschberger as well, to give him back a bit of human dignity. On October 24, 1942, he was deported from the camp of Malines to Auschwitz where he was murdered.

We moved on to Kaiserstraße 24 where two Stolpersteine for Simon and Juliane Gaertner were laid. Also Simon Gaertner had been in the wine business after he had to give up his men’s clothing shop in Solingen in 1915. He lost two sons in WWI. His third son Willi also became a wine dealer after the war.  Willi was arrested by the Gestapo during Kristallnacht like all of the Jewish men. This made his mother Juliane so furious that she didn’t hesitate to step right into the headquarters and demand her son back, because she already gave two sons for the country. Her courage made an impact: only 15 minutes later Willi was released from the prison.

Willi managed to emigrate to the USA with his wife and daughter. His father Simon died in Mainz in 1940 from a heart attack and was buried in the Jewish cemetery. Willi didn’t suceed in getting his mother out of Germany. Juliane was deported to Theresienstadt on September 27, 1942 and died there on December 15, 1942.

Naomi Lewin, the oldest grand daughter of Willi Gaertner, came to Mainz with her sisters Miriam and Eva and Eva’s daughter Lisa. Since Naomi once studied voice at the Peter Cornelius conservatory of Mainz she held her speech in German:

Jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg

Gaertner ST 2014/06/12english translation below

Die Familiengeschichte des Kaufmanns Simon Gaertner, der zwischen 1891 und 1915 in Solingen lebte, kam jetzt im Rahmen der Recherchen des Solinger Tageblatts zum 1. Weltkrieg wieder ans Tageslicht. Die beiden Söhne Curt und Fritz verloren 1915 und 1917 in Frankreich ihr Leben. Dem dritten Sohn Willi retteten sie damit in der Zeit des Nationalsozialismus wahrscheinlich das Leben.

Am 12. Juni 2014 erschien im Solinger Tageblatt mein Artikel über die Familie Gaertner. Am 13. Juni besuchte Naomi Lewin, die Enkelin von Willi Gaertner, das erste Mal die Klingenstadt. Besonders gefreut haben wir uns über die angeregte Diskussion mit 6 Schülern des Gymnasiums Schwertstraße, die dort im Rahmen des Geschichtsunterrichts den 1. Weltkrieg besprechen und jetzt genau in dem Alter sind, in dem der ehemalige Schüler Fritz Gaertner ins Feld zog.

Söhne fürs Vaterland geopfert


Auf dem Gedenkstein der jüdischen Gemeinde Solingen für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs findet sich zweimal der Name Gaertner.

„Grösstes und ältestes Spezialhaus für Herren- und Knabenbekleidung“ inserierte Simon Gaertner stolz im Juli 1907 zur Eröffnung seines neuen Geschäftshauses im Solinger Kreis-Intelligenzblatt. An der Stelle wo heute das Bachtorzentrum steht hatte der jüdische Kaufmann aus Jülich ein prächtiges Eckhaus mit großen Schaufensterfassaden gebaut. Ein Schuhgeschäft, ein Zigarrenladen und ein Photo-Atelier mieteten sich bei ihm ein. Familie Gaertner bewohnte eine der großzügigen Wohnungen über dem Geschäft. 1891 war Simon Gaertner mit seiner Frau Juliane und den beiden Söhnen Curt und Willi nach Solingen gezogen. Der dritte Sohn Fritz kam 1896 hier zur Welt. Die drei Jungen besuchten das Gymnasium Schwertstraße. Curt, der Älteste, hatte Ostern 1906 mit einem hervorragenden Abitur abgeschlossen und studierte Jura. Willi begann im selben Jahr eine kaufmännische Ausbildung in Mülheim.

Dr. Curt Gaertner
Dr. Curt Gaertner, Quelle: Naomi Lewin

Simon Gaertner musste zwar für den repräsentativen Neubau inmitten der kleinen Fachwerkhäuschen der Solinger Altstadt eine Hypothek bei der Stadtsparkasse aufnehmen, aber die Geschäftsaussichten waren gut, das Wagnis schien kalkulierbar. Das änderte sich mit Kriegsbeginn. Anfang 1915 wurde klar, dass er die fälligen Zinsen nicht mehr erwirtschaften konnte. Da ereilte die Familie die schreckliche Nachricht, dass ihr Sohn Curt, inzwischen promovierter Jurist, im Alter von 26 Jahren in Frankreich gefallen war. Der Schock saß tief, auch bei der jüdischen Gemeinde. Der Jüdische Jugend-Verein, den Curt mit begründet hatte, schrieb betroffen in einer Anzeige: „Nun, da er nicht mehr unter uns ist, wissen wir, dass er einer unserer Besten war.“ Dennoch blieben die jungen Männer davon überzeugt, dass es richtig war für das deutsche Vaterland in den Krieg zu ziehen. Willi, der bis dahin im Geschäft des Vaters gearbeitet hatte, ging im August 1915 als Kraftfahrer zum Militär. Die Eltern verließen Solingen und zogen nach Mainz. Um die Abwicklung des Geschäfts begann ein monatelanges Gezerre. Rechtsanwalt Dr. Haas versuchte gütliche Einigungen mit den Gläubigern zu erzielen, um einen Konkurs zu vermeiden, aber die Stadt Solingen als Träger der Sparkasse sah wenig Spielraum für ein Entgegenkommen. Die Sparkasse ersteigerte schließlich selbst das Geschäftshaus. Erst im Sommer 1916 wurde ein abschließender Vergleich geschlossen.

Simon Gaertner baute sich in Mainz eine neue Existenz im Weinhandel auf. Als er sich im Juni 1917 einer schweren Operation unterziehen musste, traf die Familie die nächste Hiobsbotschaft: Sohn Fritz galt in Frankreich als vermisst. Willi traute sich nicht dem Vater davon zu berichten und schrieb ihm einen Brief, bevor er zu seiner Kompanie zurückkehrt: „Meine Kraft, das Schicksal hinzunehmen, soll auf Dich übergehen, das Bewußtsein Dich gesund machen zu müßen u. Dich in Ruhe aufrecht zu erhalten für Dich u. die Deinen soll in Dir Wurzel fassen u. stärker sein als aller Schmerz.“ Nachdem klar wurde, dass Fritz gefallen war, quittierte Willi den Kriegsdienst. Er sei danach nie wieder Auto gefahren, berichtete seine Tochter Elsbeth später.

Naomi Lewin an der Gedenktafel der jüdischen Gemeinde für die Gefallenen des 1. Weltkriegs
Naomi Lewin an der Gedenktafel der jüdischen Gemeinde Solingen für die Gefallenen des 1. Weltkriegs

Juliane Gaertner trug seit dem Verlust ihres ersten Sohnes nur noch schwarz. Als Willi im Zuge der Reichspogromnacht 1938 verhaftet wurde, marschierte sie ohne zu Zögern ins Hauptquartier der Mainzer Gestapo und verlangte seine sofortige Freilassung: „Ich habe zwei Söhne für das deutsche Vaterland geopfert und den dritten bekomme ich jetzt wieder!“ Ihr couragierter Auftritt zeigte tatsächlich Wirkung. Willi emigrierte mit Frau und Tochter in die USA. Es gelang dem Sohn nicht mehr, seine Mutter aus Deutschland herauszuholen. Juliane Gaertner starb im Dezember 1942 im Ghetto Theresienstadt. Simon Gaertner starb 1940 in Mainz.

Naomi Lewin, eine Enkelin von Willi Gaertner, besucht am 13. Juni die Stadt, in der ihr Großvater aufwuchs, und trifft sich mit einem Geschichtskurs des Gymnasiums Schwertstraße.

Elsbeth Lewin, Tochter von Willi Gaertner, nahm 1996 ein 3-stündiges Interview mit der Shoa Foundation von Steven Spielberg auf:



Sons sacrificed for the fatherland

On the memorial plaque of the jewish congregation Solingen for the fallen soldiers of WWI the name Gaertner appears two times

Geschäftshaus Simon Gaertner
The shoe house Conrad Tack was one of the renters of Simon Gaertner. The entrance to his own store lies behind it. source: townarchive Solingen, PK 2744

„Biggest and eldest special house for men’s and boy’s wear“ Simon Gaertner proudly advertised in july 1907 in the Solinger Kreis-Intelligenzblatt when his new commercial house opened. At the place where today the Bachtorcenter stands the jewish merchant from Jülich had built a stately corner house with large shopwindows. A shoe store, a cigar store and a photographer’s studio took lodgings in the building. Family Gaertner lived in a spacious appartment above their shop. 1891 Simon Gaertner moved to Solingen with his wife Juliane and the two sons Curt and Willi. The third son Fritz was born here in 1896. The three boys attended the Gymnasium Schwertstraße. Curt, the eldest, finished school at easter 1906 with an outstanding exam and studied law. Willi started his merchant apprenticeship in Mülheim the same year.

Simon Gaertner in fact had to assume a mortgage from the municipal savings bank for the prestigious new building in the middle of the small half-timber houses of the oldtown, but the business prospects were good, the venture seemed to be calculable. That changed by the beginning of the war. Early 1915 it became clear that he couldn’t obtain the payables anymore. At this instant the terrible message came at the family, that their son Curt, meanwhile a graduated lawyer, fell at the age of 26 in France. The shock was profound, also for the jewish congregation. The jewish youth club, who’s co-founder Curt was, wrote sadly in an obituary: „Now, that he’s not amongst us anymore, we know he was one of our best.“ Nevertheless the young men remained confident that it was right to go to war for the German fatherland. Willi, who had been working at his father’s shop untill then, went to the military as a car driver in August 1915. The parents left Solingen and moved to Mainz. A months-long wrangling about the liquidation of the business started. Lawyer Dr. Haas tried to achieve an amicable settlement with the creditors to avoid a failure, but the city of Solingen as the provider of the savings bank only saw little room for concessions. In the end the savings bank itself purchased the business house by auction. Only in summer 1916 a final compromise was effected.

Golden wedding of Simon and Juliana Gaertner in Mainz in 1937, together with son Willi, his wife Johanna and granddaughter Elsbeth. Source: Elsbeth Lewin
Golden wedding of Simon and Juliana Gaertner in Mainz in 1937, together with son Willi, his wife Johanna and granddaughter Elsbeth. Source: Naomi Lewin

Simon Gaertner in Mainz established a new existence in winetrading. When in june 1917 he had to undergo a severe surgery the next Job’s message hit the family: son Fritz was reported missing in France. Willi didn’t dare to tell his father and wrote him a letter before he went back to his company: „My power to accept fate shall demise to you, the awareness for having to bring yourself back to health and to keep you up in serenity for you and yours shall take roots in you and be stronger than all anguish.“ After it became clear that Fritz had fallen Willi quitted military services. He never drove a car again his daughter Elsbeth reported later.

Juliane Gaertner always wore black since her first son died. When Willi got arrested during the Reichspogromnacht in 1938, she marched into the headquartes of the Mainz Gestapo without missing a beat and required his immediate release: „I sacrificed two sons for the German fatherland and I get back the third one right now!“ Her courageous performance made an impact indeed. Willi emigrated with his wife and daughter to the USA. Her son didn’t succeed in getting his mother out of Germany. Juliane Gaertner died in December 1942 in the getto of Theresienstadt. Simon Gaertner died in Mainz in 1940.

Naomi Lewin, a granddaughter of Willi Gaertner, visited the city where her grandfather grew up on June 13 and met with a history class of the Gymnasium Schwertstraße.

Elsbeth Lewin, daughter of Willi Gaertner, recorded a 3-hour-interview with the Shoa Foundation of Steven Spielberg in 1996: http://youtu.be/zIwyl_PUUxg

photos:

  • Dr. Curt Gaertner only started to launch his career as a lawyer when he went to war. source: Naomi Lewin
  • The shoe house Conrad Tack was one of the renters of Simon Gaertner. The entrance to his own store is behind it. source: townarchive Solingen
  • In 1964 Willi Gaertner had the cross for his brother Curt in the cemetery of Thiaucourt-Regnieville replaced by a stone with a Magen David. photo: Uli Preuss

Unburying Family’s Painful Wartime Past

Headstone for Hermann Tobias
Almost 74 years after Robert’s greatgrandfather’s death he could set a stone for Hermann Tobias on his grave at Cologne.

Robert Tobias besuchte im April 2013 das erste Mal mit seiner Familie die Orte an denen seine Großeltern lebten, bevor sie aus Deutschland fliehen mussten.

Über seine Reise und die Suche nach der Geschichte seiner Vorfahren schrieb er anlässlich der amerikanischen Holocaust Remembrance Days im Mai 2014 einen Beitrag im Hartford Courant:

Unburying Family’s Painful Wartime Past

Driven out of their homeland by impending war and religious persecution, my paternal grandparents, Hugo and Irma Gärtner Tobias, and their 4-year-old son, Walter, my father, (now 80 and living in Simsbury), immigrated from Germany to America through Ellis Island on Dec. 11, 1937.

My grandparents never spoke of the Holocaust. It was never discussed around the dinner table or at family gatherings. I never questioned any of them, not about the tattooed numbers on the forearms of some their friends or why they never spoke of the family left behind. There was only silence.

Although I knew about the Holocaust, I chose the path of least resistance and avoided the topic. That changed when the last of my grandparents died in 2005 and I came into possession of a cardboard box containing letters, documents and photographs. I began to uncover their personal and tragic history from which I had been sheltered. I also saw the courage and strength it took to set aside their pain and rebuild their life here.

I never knew the depth of their pain. Perhaps I was too concerned with my needs, insensitive to theirs, too focused on my life and what I needed to accomplish. They’re all gone now — many of their secrets gone with them. And while they never spoke of the Holocaust, I feel that their safekeeping of the cardboard box is evidence of their intention to bear witness.

Hermann Gärtner
Hermann Gärtner

That box was a turning point for me — I was finally ready to embark on the search for clues and to deal with that time in my family’s history. I wanted to know more.

Last April, my research brought me and my family to Cologne, Germany, my ancestral homeland. It’s one thing to know that family members perished there, it’s quite another to stand in their footsteps.

I knew nothing about my great-grandfather, Hermann Gärtner. He lived in the small village of Ruppichteroth, where he worked as a butcher. He was also, I discovered, an outspoken critic of the Nazi Party. In 1933, he was arrested and held for 10 months for making „false and defacing assertions“ against the National Socialist state. This, the Nazis considered treason.

His story is not unique among German Jews of the time. Like thousands of others, he tried desperately to get a visa to any country that would take him. In the end, his efforts failed.

In a letter written Jan. 6, 1942, addressed to the Jewish Council of Amsterdam, Hermann, who had fled to the Netherlands, pleads for a suspension of his transport back into German hands because of his sciatica. Despite the plea, he was moved to the Westerbork camp in the Netherlands and on Sept. 18, 1942, taken to Auschwitz. On Sept. 24, 1942, at age 66, my great-grandfather was murdered.

How sad it must have been for my grandmother when her father’s letters stopped coming. In the ultimate irony, Hermann fought for the German Reich in World War I. He survived the war, but not the Nazis, who murdered him as „unworthy of life.“

Hermann Tobias
Hermann Tobias

My other paternal great-grandfather, Hermann Tobias, expelled from his home and separated from loved ones, died alone in 1940. He was buried in a Jewish cemetery in Cologne. His grave was marked by a small stone with the number 25/177. During our trip to Germany, we were able to properly honor and remember him with a headstone — 74 years later. When a person finishes life, he should have a name, not a number.

Three of Hermann Tobias‘ children managed to flee Germany with their families: my grandfather Hugo; his brother Julius and sister Johanna. Sadly, my research uncovered another brother, Walter Tobias, my great-uncle, who remained in Germany. He lived in Haaren and was a craftsman and a locksmith. At the end of February 1943, his then-pregnant wife Selma, and their five children were taken to Auschwitz and killed upon arrival. Walter was assigned to a work detail and died two years later on May 18, 1945, in Theresienstadt concentration camp just after the German surrender on May 8.

Only now am I beginning to understand.

Hochzeit Walter Tobias und Selma Bähr, 1931
Wedding of Walter Tobias and Selma Bähr, 1931

The German people we met on our trip had no personal involvement in or responsibility for what happened, yet they bear the burden of the acts of their fathers. Although that burden may cause bitterness and resentment, what we found were people who feel a great responsibility to foster the memory of the Jewish people, their artifacts, their culture and the horrific actions of their forbearers.

I feel a strong sense of responsibility to tell the story of those who came before me. If I don’t record it. If I don’t protect it. If I don’t preserve it. Then who will?

I think memory is the highest, and perhaps the most meaningful tribute to pay to those who perished. It’s my duty, as a descendant, to tell their history to the next generation. I’ve passed it on to my 16-year-old son, Zack, a legacy of our family history that might well have been lost.

Wurzelsuche im Rheinland

english translation below

Reisepläne

Familie Tobias, Hamm/Sieg
Hermann, Hugo, Rosa, Jettchen, Johanna, Walter und Julius Tobias vor ihrem Haus in Hamm an der Sieg

Zu den ersten Kontakten bei meiner Recherche über die Familie Tobias gehörte Robert Tobias, der sich seit 2005 von Connecticut aus mit den Spuren seiner Vorfahren beschäftigt. Im Herbst 2011 war ich auf seinen Stammbaum gestoßen, und seither puzzeln wir gemeinsam von verschiedenen Seiten aus an der Geschichte. Ab Sommer 2012 konkretisierten sich die ersten Reisepläne, und in der Woche vom 13.-20. April 2013 besuchte er jetzt mit seiner Familie das erste Mal Deutschland und die Orte, aus denen seine Großeltern Hugo und Irma Tobias 1937 wegen der Verfolgung jüdischer Mitbürger im Dritten Reich fliehen mussten – und glücklicherweise auch konnten.

Kontakte nach Hamm an der Sieg, Ruppichteroth, Windeck-Rosbach, Haaren/Paderborn und Köln wurden geknüpft, um den Besuch vorzubereiten. Wir rannten hier viele offene Türen ein, lernten engagierte Bürger kennen, die sich teils schon seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der Geschichte in ihren Gemeinden einsetzen und die Erinnerung an ihre früheren jüdischen Nachbarn wachhalten.

Ein besonderer Glücksfall war das Auffinden des Grabes von Roberts Urgroßvater Hermann Tobias. Der Metzger aus Hamm an der Sieg starb 1940 im Israelitischen Asyl von Köln-Ehrenfeld, wo er nach dem Tod seiner Frau Rosa und der Emigration seiner Kinder Julius, Hugo und Johanna zusammen mit seiner Schwägerin Jettchen Levy lebte. Als er 75-jährig verstarb und auf dem jüdischen Friedhof Köln-Bocklemünd beerdigt wurde, war niemand mehr in Köln, der ihm einen Grabstein hätte setzen können. Jettchen wurde 1942 nach der Auflösung des Asyls nach Theresienstadt deportiert, wo sie kurz darauf starb. Eine inzwischen eingefallene Einfassung mit Betonplatte und ein kleiner Stein mit der Feld-Nummer „25/177“ waren alles, was bis vor kurzem die letzte Ruhestätte von Hermann Tobias ausmachte.

Daniel Lemberg von der Friedhofsverwaltung der Synagogengemeinde Köln und die Steinmetzin Beate Globisch aus Solingen haben uns in geduldiger Kleinarbeit geholfen, mehr als 70 Jahre später einen Stein für Hermann mit einer Erinnerung an Rosa, Jettchen und die Familie des jüngsten Sohnes Walter Tobias zu setzen. Keine alltägliche Aufgabe und viele Details, die es zu planen galt.


Solingen

landedAm 13. April holten wir unsere Gäste am Kölner Hauptbahnhof ab. Nach einem langen, kalten Winter sowohl in Deutschland als auch in Connecticut machte sich pünktlich zum Wochenende der Frühling breit. Ein kurzer Rundgang am Kölner Dom vorbei bis zum Rhein, dann ging es weiter ins Quartier nach Solingen: zum Keusenhof. Ein Teil des 300 Jahre alten Fachwerkhofs wurde 2011 von der Familie Wirth zu einem Ferienhäuschen umgebaut. Auch die Vorfahren der Tobias, die als Metzger und Viehhändler im Rheinland und im Westerwald lebten, werden ähnlich windschiefe Behausungen gekannt haben.

In Solingen-Wald besuchten wir nach dem Kaffeetrinken die Orte, an denen Albert Tobias gelebt und gearbeitet hat: den Stolperstein vor dem Wohnhaus an der Menzelstraße und das ehemalige Bekleidungsgeschäft an der Friedrich-Ebert-Straße.


Rosbach

Am Sonntag führte unser erster Weg nach Rosbach in die Gedenkstätte der Landjuden an der Sieg. Im früheren Wohnhaus der Familie Seligmann zeigte uns Mitarbeiterin Claudia Hess, wie die jüdischen Familien an der Sieg ihren Alltag lebten, im privaten, in der Religionsgemeinschaft wie im Miteinander der Dorfgemeinschaft, aber auch, wie sich ab 1933 die Verfolgung entwickelte und zur fast kompletten Vernichtung des jüdischen Lebens führte. Dennoch kam nach dem Krieg ein Teil der Familie Seligmann zurück nach Rosbach – das Heimweh war stärker.

Bericht über unseren Besuch in Rosbach im Extra-Blatt vom 16.4.2013:
Im Nachlass Fotos aus der alten Heimat gefunden


Hamm an der Sieg

tobiasscheidterstr
Walter Tobias (rechts) mit seiner Mutter Rosa und Nachbarinnen vor dem Elternhaus an der Scheidter Straße

Nach dem Mittagessen trafen wir uns in Hamm mit dem Dorfchronisten Horst Moog und dem Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen am Kulturhaus, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie David am Synagogenplatz. Nicht weit von hier steht an der Scheidter Straße das ehemalige Haus der Familie Hermann Tobias. Die Vorderseite, von der aus man seinerzeit den Metzgerladen betreten konnte, wurde von den späteren Besitzern komplett verändert. Auch das Schlachthaus, das hinter dem Wohnbereich im Hof stand, existiert nicht mehr. Horst Moog erzählte, dass das Haus 1932 von der Bank zwangsversteigert und selbst ersteigert wurde, um dann 1933 für 5000 Mark an den jüdischen Viehhändler Alex Bachenheimer, der in die Nachbarfamilie Gunzenhäuser eingeheiratet hatte, verkauft zu werden. Familie Bachenheimer wanderte 1939 nach New York aus. In den Unterlagen der Synagogengemeinde von Hamm fand Moog außerdem verschiedene Einträge zu Hermann Tobias. So ist er erstmals 1891 erwähnt, als er 75 Pfennig für einen der hintersten Plätze zahlte. In den 1930er Jahren hatte sich Hermann dann auf den 3. Platz hinter den beiden Vorsitzenden der Gemeinde vorgearbeitet. Inzwischen war er in der Lage 30 Mark zu zahlen.

Modell der Synagoge von Hamm
Modell der Synagoge von Hamm

Im Kulturhaus zeigte uns Horst Moog ein Modell der 1894 erbauten Synagoge von Hamm, steinerne Fragmente und einen Gebetsmantel, der auf abenteuerliche Weise über einen Flohmarkt in der Umgegend seinen Weg in die kleine Ausstellung gefunden hatte. Moog hatte als 4-jähriger Junge an der Hand seiner Mutter erleben müssen, wie am Morgen des 10. November 1938 das Dach der Synagoge unter den Flammen einstürzte. Auf dem Weg zum jüdischen Friedhof hielten wir kurz am ehemaligen Haus des Gastwirts Willi Fischer an, der Hermann, Rosa und deren Schwester Jettchen nach der Zwangsversteigerung ihres Hauses eine Etage vermietete. Fischer war als Kommunist bekannt und der einzige, der sofort Hilfe anbot.

Auf dem jüdischen Friedhof sind viele der Steine der Hammer Juden zerstört und verschwunden, so auch der Stein für Rosa Tobias, die 1935 hier beerdigt wurde. Im Zuge des Pogroms im November 1938 wurden von den aufgehetzten Nationalsozialisten vor allem diejenigen Steine zerschlagen, deren Namen man kannte. Alte Steine mit hebräischen Schriftzeichen und Steine aus den umliegenden Gemeinden blieben verschont. Einige Steinreste liegen noch am steilen Hang unterhalb des Friedhofs. Seit 1979 kümmerte sich Horst Moog um die Pflege des Friedhofs, inzwischen hat die Gemeinde diese Aufgabe übernommen. Jedes Jahr am 9. November findet hier eine Gedenkveranstaltung statt.

Bericht über unseren Besuch in Hamm im Altenkirchener Kurier vom 17.4.2013: Auf den Spuren der Vorfahren


Königswinter

Am Montag legte die Sonne sich so richtig ins Zeug bei unserem gemeinsamen Ausflug mit Tochter, Enkel und Urenkel von Alberts Bruder Max Tobias. Von Königswinter aus ging es vorbei an der Drachenburg auf den Drachenfels ins neue Panorama-Café mit phantastischer Weitsicht. Der Abstieg erfolgte per Zahnradbahn und anschließend ging es per Schiff vorbei an der Brücke von Remagen nach Linz.


Ruppichteroth

Der Dienstag begann mit einem Empfang im Rathaus von Ruppichteroth durch Vertreter der Gemeinde und Ehrenbürgermeister Ludwig Neuber, der auch das Tagesprogramm organisierte. Historiker Hartmut Benz war ebenso dabei wie Heinrich Schöpe, der als Kind in der Nähe von Ruppichteroth aufwuchs und sich gut an Julius Nathan erinnerte, einen Verwandten von Roberts Urgroßvater Hermann Gärtner.

Heinrich Schöpe erzählte von der Schulzeit in Ruppichteroth
Heinrich Schöpe erzählte von der Schulzeit in Ruppichteroth

Schöpe erzählte aus der Volksschule, die alle Kinder, ob evangelisch, katholisch oder jüdisch, gemeinsam besuchten. Damals spielte man Murmeln auf dem Schulhof. Ein Säckchen voll mit bunten Glasmurmeln hatte er mitgebracht, um sie Roberts Sohn Zack zu schenken. Als Schöpe wieder auf Julius Nathan zu sprechen kam, war es allerdings schlagartig vorbei mit der Fröhlichkeit. Unter Tränen schilderte er den Tag, an dem sich Nathan von seinen Eltern verabschiedete, da er am kommenden Morgen deportiert werden sollte. „Warum haben sie ihn bloß nicht verstecken können?“

Ehemaliges Haus Hermann Gärtners
Ehemaliges Haus Hermann Gärtners

Unser erster Weg führte uns zum Wohnhaus der Familie Gärtner, mitten im Ortskern von Ruppichteroth. Hier wuchs Roberts Großmutter Irma auf, in der Metzgerei ihres Vaters Hermann. Die Szene mutet ein wenig wie eine Theaterbühne für Thornton Wilders „Unsere kleine Stadt“ an – auf der anderen Straßenseite die ehemalige Synagoge, oberhalb das frühere Schulhaus und die evangelische Kirche. Familie Kaltenbach, die dort selber jahrelang eine Metzgerei betrieb, führte uns durch alle Zimmer und das ehemalige Schlachthaus. Irma lebte hier bis 1929. 1931 heiratete sie Hugo Tobias aus Hamm an der Sieg und zog mit ihm nach Köln. Im Dezember 1937 reisten sie mit ihrem 4-jährigen Sohn Wolfgang in die USA aus. Hermann Gärtner flüchtete nach der Pogromnacht 1938 ins niederländische Westbroek bei Utrecht. Er versuchte mithilfe seiner bereits emigrierten Kinder Irma und Paul ein Visum für die USA zubekommen, scheiterte jedoch an unüberwindlichen bürokratischen Schikanen und wurde 1942 nach Auschwitz deportiert.

Jüdischer Friedhof Ruppichteroth
Mit Ludwig Neuber am jüdischen Friedhof Ruppichteroth

Hartmut Benz erzählte nach der „Schlossführung“ im Hause Kaltenbach vor der ehemaligen Synagoge vis-à-vis etwas zur Geschichte der Gemeinde und den Ereignissen in der Pogromnacht, während der die örtliche Feuerwehr und Polizei zunächst versuchte, die Brandstiftung der SS-Männer aus dem Oberbergischen zu verhindern. So steht das Gebäude heute noch, da lediglich das Dach zerstört wurde.

Mittags hatten wir eine Begegnung mit einer 10. Klasse der Hauptschule Ruppichteroth, die im vergangenen Jahr eine Woche in Auschwitz verbrachte. Nach einer kurzen Vorstellung der Familiengeschichte der Gärtners konnten die Schüler mitgebrachte Dokumente und Fotos ansehen und nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Nach dem Mittagessen besuchten wir das Bröltalhaus, früher ein Erholungsheim für jüdische Mütter und Kinder, dann ein Schulungsheim für Juden, die nach Palästina auswandern wollten und dafür einen Beruf erlernen mussten, der zum Aufbau des Landes gebraucht wurde. Anschließend hielten wir auf der Fahrt zum jüdischen Friedhof an den Gedenktafeln für die Ruppichterother Opfer von Krieg und Gewalt, an der seit letztem Jahr auch die Namen der jüdischen Opfer der Shoa aufgeführt sind. Nach dem Besuch des kleinen Friedhofs, der erst ab 1928 belegt wurde, fuhren wir noch zur Gedenkstätte für das Konzentrationslager in Much, in dem bis zur letzten Deportation 1942 Juden aus der Umgebung eingepfercht wurden.

Bericht über unseren Besuch in Ruppichteroth im Kölner Stadtanzeiger vom 17.4.2013: Ahnenforschung unter Tränen
Bericht auf broeltal.de vom 21.5.2013: Spurensuche unter Tränen


Amsterdam

Der Mittwoch begann mit einer entspannten ICE-Fahrt nach Amsterdam und einem Bummel entlang der Grachten. Am frühen Nachmittag besuchten wir das Anne-Frank-Haus, glücklicherweise mit reservierten Tickets. Für das Museum zur Geschichte der niederländischen Juden blieb danach leider nicht mehr genug Zeit. Es verbleibt aber auf der to-do-Liste für weitere Besuche, wie so vieles.


Köln

Am Grab von Hermann Tobias
Am Grab von Hermann Tobias

Am Donnerstag trafen wir uns am Morgen mit der ganzen Familie auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Bocklemünd, um die Grabstätte von Hermann Tobias zu besuchen. Statt Blumen gab es Grassamen. Und natürlich Steine. Hermanns Grab liegt in direkter Nachbarschaft zum Lapidarium (Steinhaus) mit seinen Grabsteinfragmenten des alten jüdischen Friedhofs am Bonntor, teils aus dem 12. Jahrhundert. In Sichtweite steht auch das Ehrenmal für die jüdischen Frontsoldaten des 1. Weltkriegs.

Von Bocklemünd aus ging es weiter nach Ehrenfeld, vorbei an der Plakatte für die ehemalige Synagoge Körnerstraße, weiter zu den ehemaligen städtischen Schlachthöfen an der Liebigstraße, wo vermutlich auch Hugo Tobias gearbeitet hat, bis zum Wohlfahrtszentrum der Kölner Synagogengemeinde wo sich früher das Israelitische Asyl befand, in dem Hermann Tobias seinen Lebensabend verbrachte. Wichtiger Buchtipp an dieser Stelle: „Das jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart: Ein Stadtführer“ von Barbara Becker-Jakli, Köln 2012

Am Eigelstein
Am Eigelstein

Nur eine kurze Mittagspause am Eigelsteintor, wo 1933 Roberts Vater in der elterlichen Wohnung zur Welt kam, war uns gegönnt, bevor schon der nächste Termin im NS-Dokumentationszentrum am Appellhofplatz wartete. Dr. Karola Fings führte uns durch die Ausstellung im EL-DE-Haus und warf einen Blick in die Fotos und Dokumente, die Robert 2005 im Nachlass seiner Großeltern gefunden hatte.

Nach einer kurzen Runde durch den Kölner Dom wartete das kölsche Abendessen beim Früh.


Haaren/Paderborn

Ankündigung unseres Besuchs in Haaren in der Neuen Westfälischen am 17.4.2013: Auf Spuren jüdischer Vorfahren

Hochzeit Walter Tobias und Selma Bähr, 1931
Hochzeit Walter Tobias und Selma Bähr, 1931

Der letzte Tag führte uns schließlich nach Westfalen, wo Roberts Großonkel Walter Tobias mit seiner Frau Selma und den 5 Kindern lebte, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Im Pfarrheim von Haaren empfingen uns der Dorfhistoriker Jost Wedekin, Ortsvorsteher Norbert Münster und mehrere Vertreter der Gemeinde, des Heimatvereins und des Kreisarchivs. Das heutige katholische Pfarrheim war seinerzeit das Judenhaus, in das alle jüdischen Familien nach der Arisierung ihres Besitzes einziehen mussten. Es gehörte der jüdischen Familie Emmerich. Wedekin erläuterte, dass der Familie Tobias die Auswanderung wahrscheinlich deswegen nicht mehr gelang, weil es Probleme mit dem Verkauf des Hauses von Selmas Vater Hermann Bähr gab, das er ihr nach seiner Flucht nach Holland überschrieben hatte. Die Familie Tobias wollte es an einen ihnen wohlgesinnten Nachbarn verkaufen und nicht an den vorgesehenen Parteigenossen. Die Querelen zogen sich offenbar zu lange hin und es fehlte letzen Endes am nötigen Geld und der nötigen Zeit.

Mahnmal am jüdischen Friedhof Haaren
Mahnmal am jüdischen Friedhof Haaren

Vom Pfarrhaus aus gingen wir zunächst zum katholischen Friedhof, in dessen Kappelle eine Ehrentafel für alle Haarener Soldaten des 1. Weltkriegs hängt, dabei auch ein Foto von Walters Schwiegervater Hermann Bähr. Schräg gegenüber liegt der jüdische Friedhof mit dem Gedenkstein für die Opfer des NS-Regimes, der auch die Familien Tobias und Bär aufzählt. Der Friedhof selber ist immer noch in Betrieb. Zuletzt wurde dort die evangelische Ehefrau eines jüdischen Überlebenden beerdigt, der nach dem Krieg wieder nach Haaren gezogen war.

Eine Mittagspause hatten die Haarener Gastgeber in der renovierten Ohrmakers Mühle vorbereitet. Hier überreichte Jost Wedekin uns auch die Neuauflage seines umfangreichen Buches über die Haarener Juden. Außerdem hatte der Sohn des früheren Dorfmalers und -anstreichers die Anschreibekladde seines Vaters mitgebracht, die dokumentierte, dass die Familien Bähr und Tobias regelmäßig ihre Häuser streichen ließen, am liebsten mit einem Schuss Blau ins Weiss.

Ehemaliges Wohnhaus von Walter Tobias und seiner Familie
Ehemaliges Wohnhaus von Walter Tobias und seiner Familie

Anschließend ging es zur ehemaligen Wohnung der Familie Tobias. Die Besitzer des Hofes sind derzeit mit der Kernsanierung beschäftigt, und so konnten wir bei der Besichtigung die typische Bauweise bis ins Detail studieren. Das Haus von Selmas Eltern hingegen steht heute nicht mehr sondern wurde komplett durch einen Neubau ersetzt.

Bericht über unseren Besuch in Haaren in der Neuen Westfälischen vom 24.4.2013: Reise gegen das Vergessen
Bericht im Westfalenblatt: Auf Spurensuche in Haaren

Auf dem Heimweg von Haaren machten wir noch einen kurzen Schlenker unter der Wuppertaler Schwebebahn her und über den Gräfrather Marktplatz, bevor wir uns am letzten Abend mit der ganzen Familie zum Grillen trafen.

Herzlichen Dank noch einmal an alle, die zum Gelingen dieser eindrucksvollen Reise beigetragen haben und sich für die Erinnerung an das jüdische Leben in Deutschland in seinen hellsten und dunkelsten Stunden engagieren.


Rootsearching in Rhineland

Travelling plans

In the fall of 2011 I connected to Robert Tobias of Hartford, Connecticut, searching for common ancestors. While I had just begun to research the fate of my husband Axel’s grandfather Albert Tobias, Robert had started to trace his ancestral roots after the death of his grandmother Irma Gärtner Tobias in 2005. With the help of Dr. Ted Tobias of New Jersey and his broad knowledge about the Jewish families from the Westerwald, we could complete the family tree step by step. But also archives and local historians from Germany as well as staff members of memorial sites such as the NS Documentation Center of Cologne helped us to find further documents and information about the course of events during the time of persecution.

In the summer of 2012 the first travel plans became tangible, and in April 2013, Robert and his family came to Germany for the first time. We visited all the places where his grandparents Hugo and Irma Tobias grew up and they had to leave behind in 1937. Contacts to Hamm an der Sieg, Ruppichteroth, Rosbach, Haaren/Paderborn and Köln were established to prepare the visit. Many open doors were pushed. We got to know dedicated citizens, who put themselves out for the reprocessing of the history of their hometowns and who try to keep the remembrance of their former Jewish neighbors.

A serendipity was the discovery of Robert’s great grandfather Hermann Tobias‘ grave. The butcher of Hamm on Sieg died in September 1940 at the Israeltic Asylum, a Jewish senior home and hospital at Köln-Ehrenfeld, where he had lived together with his sister-in-law Jettchen Levy after the loss of his wife Rosa and the emigration of his children Julius, Hugo and Johanna. Hermann was buried at the Jewish cemetery of Köln-Bocklemünd, but nobody was left to put up a headstone for him. Jettchen was deported to Theresienstadt in July 1942. She died there a few months later. A broken bordering with a concrete slab and a little stone with the field-number “25/177” was all that made up the final resting place of Hermann Tobias. Daniel Lemberg of the cemetery board of the Synagogengemeinde Köln and the stonemason Beate Globisch from Solingen helped us in patient detail work to erect a stone for Hermann more than 70 years after his burial with a reminder of Rosa, Jettchen and the family of his youngest son Walter Tobias, who were killed in Auschwitz and Theresienstadt.

On April 13, 2013 we picked up our guests at Köln main station. After a long hard winter in Germany as well as in Connecticut, springtime crept in just in time for the weekend. After a short walk along the Cologne Cathedral to the Rhine the journey went on to their accomodations in Solingen: to Keusenhof. A part of the 300 year old half-timbered farmyard had been rebuilt to a holiday apartment. Also the ascendants of the Tobias, who made their living in the Rhineland and Westerwald as butchers and cattle dealers, knew that kind of warped buildings.

After coffee time we visited all the spots in Solingen-Wald, where Albert Tobias had lived and worked: the stumbling stone in front of his residential house at Menzel Street and the former clothing shop at Friedrich-Ebert-Street.

Rosbach

On Sunday we first went to Rosbach on Sieg to the memorial site for the country Jews (Landjuden) along the river Sieg. In the former residence of the Jewish family Seligmann staff member Claudia Hess showed us how the Jewish families spent their everyday life: in private, within the religious community and in cooperation with the rural community, but also how the persecution increased after 1933 and lead to the almost complete annihilation of Jewish life in Germany. Nevertheless some members of the Seligmann family came back after the war – their homesickness was too strong.
After a lunchbreak we met the village chronicler Horst Moog and the mayor Bernd Niederhausen at the Kulturhaus Hamm, the former residence of the David family at the Synagogue Plaza, today a place for municipal cultural events. Not far from there at Scheidter Street stands the former house of Hermann Tobias. The front side where people once stepped into the butcher’s shop has been completely rebuilt by the new owners. Also the slaughterhouse in the backyard doesn’t exist anymore. Horst Moog told us the house had to be put up for compulsory sale in 1932 and was auctioned by the bank itself. Only one year later in 1933 it was sold to the Jewish cattle dealer Alex Bachenheimer, whose in-laws were the neighbor’s family Gunzenhäuser.

Hamm an der Sieg

At the Kulturhaus Horst Moog showed us a small exhibition with a model of the Synagogue of Hamm, some stony fragments of the former building and a tallit that found its adventurous way to the exhibition from a little flea market in a neighboring village. Moog was only four years old when he stood at the hand of his mother and experienced the roof of the Synagogue braking down in flames on the morning of November 10, 1938. On our way to the Jewish cemetery we stopped at the former house of the landlord Willi Fischer, who let an apartment to Hermann, Rosa and her sister Jettchen after their house on Scheidter Street had been sold. Fischer was a communist and the only one who dared to offer his help.

At the Jewish cemetery many stones from the Hamm Jews had been destroyed or disappeared just as the stone for Rosa Tobias who was buried here in 1935. In the course of the pogrom in November 1938, the incited Nazis mainly smashed the stones of those whose names were familiar to them. Old stones with Hebrew letters and stones from neighboring villages were spared. Some stone remnants still lie at the steep hillside underneath the cemetery. Since 1979 Horst Moog took care of the cemetery. Meanwhile the municipal has undertaken this duty. Each year in November a commemoration for the Jewish victims of Hamm is held at the Kulturhaus or the cemetery.

Königswinter

On Monday the sun really buckled down during our trip with Helga, the youngest daughter of Albert’s brother Max Tobias, her son Uwe  with his partner Christiane and grandson Max. Starting at Königswinter passing the Drachenburg we “climbed” our way to Drachenfels with its new panorama café and a phenomenal view over the Rhein valley. The descent was made per cograilway and afterwards the journey went on by boat passing the bridge of Remagen to the old town of Linz.

Ruppichteroth

Tuesday began with a welcome at the townhall of Ruppichteroth by representatives of the municipal and the mayor of honor, Ludwig Neuber, who also organized the program of the day. Historian Hartmut Benz was also present as well as Heinrich Schöpe, who grew up in the neighborhood of Ruppichteroth and remembered Julius Nathan very well, a relative of Robert’s great grandfather Hermann Gärtner. Schöpe told us about the boarding school, that all the children attended, no matter if they were Protestant, Catholic or Jewish. Back then the children played marbles in the playground. He brought along with him a little sack with colored marbles to give it to Robert’s son Zack. When Schöpe came back to Julius Nathan the cheerfulness of the situation was gone all of a sudden. With tears in his eyes he depicted the day that Nathan said good-bye to his parents, because he was about to be deported the next morning. “Why on earth couldn’t we just hide him?” he cried.

Our first stop was at the residence house of the Gärtner family, right in the heart of Ruppichteroth. Here Robert’s grandmother Irma grew up in the butchery of her father Hermann Gärtner. The scenery appears like a stage for Thornton Wilder’s play “Our town” – on the other side of the street the former Synagogue, upside the old schoolhouse and the Protestant church. The Kaltenbach family ,who moved into the house after the war and also ran a butcher’s shop for several years, showed us through all the rooms and the former slaughterhouse. Irma lived here until 1929. In 1931 she married Hugo Tobias of Hamm on Sieg and moved with him to Cologne. In December 1937, they emigrated to the United States with their four year old son Wolfgang. Hermann Gärtner fled to Westbroek near Utrecht after Kristallnacht. He tried to get a visa for the US with the help of his emigrated children Irma and Paul, but failed because of insurmountable bureaucratic chicanes. He was deported to Auschwitz in September 1942.

After the “castle tour” at the Kaltenbach house, in front of the former Synagogue Hartmut Benz talked about the history of the Jewish congregation and what happened during the Pogrom Night, while the local fire brigade and the police officer tried to stop the arson attack of the SS-men who came from the district of Oberberg. That’s the reason the building is still standing and only the roof was destroyed. Today it’s a private residence.

At noon we had a meeting with a 10th grade class at the secondary school of Ruppichteroth, who went to Auschwitz last year. After a short introduction of the family history of the Gärtners the pupils took the chance to question us.

After lunch break we visited the Bröltalhaus. In the beginning it had been a welfare holiday home for Jewish mothers and children, then a training home for Jews, who wanted to emigrate to Palestine and therefore had to learn a profession that was needed to build up a new country. Subsequently on our way to the Jewish cemetery we had a stop at the memorial plaque for the Ruppichteroth victims of war and violence, where only last year another plaque was added that lists the names of those citizens who became victims of the Shoah. Following the visit at the small cemetery that was only in service since 1928, we drove to the memorial site for the concentration camp at Much, where all the Jews from the district were kept until the last deportations in 1942.

Amsterdam

Wednesday began with a relaxing ICE-ride to Amsterdam and a stroll along the Grachten (canals). In the early afternoon we visited the Anne-Frank-House. Unfortunately we didn’t have enough time for the Museum of the History of the Dutch Jews after that. It remains on the to-do-list for further visits as so much else.

Köln

On Thursday morning we met again with Uwe, the grandson of Max Tobias, at the Jewish cemetery in Köln-Bocklemünd in order to visit the gravesite of Hermann Tobias. We brought some grass seed and stones. Hermann’s grave lies in the direct neighborhood to the Lapidarium (stonehouse) with its tombstone fragments of the ancient cemetery of Bonntor, some from the 12th century. Also within sight is the memorial monument for the fallen Jewish frontline soldiers of WWI.

From Bocklemünd we went on to Ehrenfeld, passing the plaque for the former Synagogue Körnerstreet, further on to the former municipal slaughterhouses at Liebig Street, where maybe Hugo Tobias once worked, and to the Welfare Center of the Cologne Synagogue Congregation once called the Israelitic Asylum, where Hermann Tobias spent his remaining years.

We only had a short lunch break at the Eigelstein gate, where Robert’s father was born at his parent’s flat in 1933, before the next appointment was waiting for us at the NS Documentation Center at Appellhofplatz. Dr. Karola Fings lead us through the exhibition at the EL-DE-house and took a look at the photos and documents that Robert found in the estate of his grandparents in 2005. After a short spin through the Cologne Cathedral a real “Kölsche dinner” at the brewery “Früh” was waiting for us.

Haaren/Paderborn

The last trip lead us to Westphalia where Robert’s granduncle Walter Tobias lived with his wife Selma and their five kids before they were deported to Auschwitz. At the parish community center of Haaren we were welcomed by the village chronicler Jost Wedekin, Mayor Norbert Münster and several representatives of the municipal, the “Heimatverein” and the district archive. The Catholic community center back then was the so called Jews’ house, where all Jewish families had to move in after their property was “aryanized.” It belonged to the Jewish family Emmerich. Wedekin explained that the emigration of the Tobias family probably failed because they had trouble in selling the house. Selma’s father Hermann had signed it over to her after his escape to the Netherlands. The Tobias’ wanted to sell it to a favorable neighbor but not to the predetermined member of the Nazi party. The quarrel extended over a long time and in the end there was a lack of money and of time.

From the parish community center we went to the Catholic cemetery. In its chapel there is a plate of honor for all the soldiers from Haaren who served during WWI, also showing a photo of Walter’s father-in-law Hermann Bähr. Right on the other side of the street lies the Jewish cemetery with its memorial monument for the victims of the NS-Regime that also lists the Bähr and the Tobias family. The cemetery is still in service. The last to be buried there was the Protestant wife of a Jewish survivor, who came back to Haaren after the war.

Our hosts then prepared a lunch break for all of us at the renovated Ohrmaker’s mill. Here Jost Wedekin presented us the reprint of his considerable book about the Haaren Jews. Furthermore the son of the former painter of the village showed us the receipt book of his father which documented that the Bähr and Tobias families regularly had their houses and rooms painted, preferably with a bit of blue mixed into the white color.

Afterwards we drove to the former lodging of the Tobias’. The owners of the site were busy with the renovation of the building and so we could study the traditional construction in every detail. The house of Selma’s parents however has been completely replaced by a new building.

On our way home from Haaren we made a short detour under the Wuppertal Schwebebahn and to the Gräfrather Marktplatz before we met with the family for a farewell-barbecue at night.

A big thank you to everyone who contributed to the success of this impressive journey and to those who commit themselves to the remembrance of the lightest and darkest hours of German Jewish history.

 

Artikel zum 70. Todestag

ST20120505english translation below

„Geschwiegen hat auch die Familie”
Solinger Tageblatt vom 5. Mai 2012

Wir gedenken heute Albert Tobias und aller Opfer, die in Kulmhof und an anderen Orten umgebracht wurden und denen nie ein Grabstein gesetzt werden konnte.

Tihejeh nischmato zerurah bizror hachajim – Möge seine Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens.

P.S.: Wenn es auch im Artikel nicht zur Sprache kommt, möchte ich an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Ralf Rogge vom Solinger Stadtarchiv loswerden, der meine Arbeit immer tatkräftig unterstützt hat. Und natürlich allen anderen, die ihren Teil zur Recherche beigetragen haben.


70 years after Albert Tobias‘ violent death at Kulmhof I published an article about our research on him in the Solinger Tageblatt of May 5, 2012:

Even his family remainded silent

Actually it was just a simple history class homework of my 11 year old daughter Noa that started a tremendous family research last fall that is still increasing. „Write down your ancestors up to your greatgrandparents” was the task for 5th grade at Humboldtschool. I already had a family tree of my own family going back to the 18th century, gathered up from several church archives. But on my husband’s side there were many question marks left, most of all concerning his grandfather Albert Tobias.

The jewish grandfather Albert Tobias was considered missing at the Ghetto of Lodz. Today at Menzelstr. 15, the former home of the family, there lies a „Stolperstein” showing the scarce dates of a life that was violently aborted by the Nazis. But there was no photograph, no story, no familial rememberance. Many families are familiar with the big silence after WWII. But not only culprits and followers remained silent, even the victims did so in many cases. Especially those who lived in the legal grey area of the so called „mixed wedlocks” for years, those who could never be sure how
long and by which kind of behaviour the „arian” part of the family will be able to protect the jewish part and when they will be targeted themselves as well.

Albert Tobias, a young sales clerk from Neuwied, ended up at a military hospital in the Bergisches Land during WWI. Here he came to know the protestant young woman Antonie Jacoby. After their wedding and the birth of their first son he opened a mens‘ clothing shop in Antonie’s hometown Wald, then an autonomous town in the district of Solingen.

This business existence which later should have assured the sons‘ livings as well was smashed in smithers during the nationwide „Pogromnight” in november 1938. Albert was arrested and deportet to Dachau. At this threatening situation Antonie made a momentous decision – she filed for divorce. That’s the point where all stories break off.

The time of the contemporary witnesses is elapsing. We could talk to a niece of Albert we were completely unaware of before our research. She died all of a sudden right before a planned meeting in february. Nevertheless it was a thrilling experience to hear somebody say: „Uncle Albert was such a dear man! My father got him back from Dachau and he lived with us at Cologne untill he had to go to Lodz.”

The letter his younger brother Max wrote in order to espouse his dismissal is part of the Gestapo-file at the state archive of Northrhine-Westphalia. There also is kept the denazification-file of Eugen Kemper by which we get to know that the accountant from Wald not only took care of the bookkeeping but was friends with Albert as well. The NS-documentation-center of Cologne told us that there are postcards from the Ghetto that have never been delivered at the state archive of Lodz. Albert wrote several ones: to his sister at Mülheim and to his son, to friends at Cologne.

The most important document for us however is Albert Tobias‘ last letter he wrote to the camp administration. Albert got a note at the end of april 1942 saying he will be resettled to a work camp. Most of the affected people anticipated what this meant. Albert too pleaded for deferment. He argued his sons were soldiers on the battle field by that time.

His request was declined. On may 4, 1942 the 50 year old Albert and another 1000 ghetto-inhabitants were deported to Kulmhof/Chelmno. It was the birthday of his eldest son. Probably Albert was murdered by exhaust gases from a converted truck the next morning – exactly 70 years from today. Until may 15 there were more than 10.000 murdered at Kulmhof. It was just one of several waves of destruction.

The initial history class homework meanwhile became an expansive project about a widely ramified jewish family from the Westerwald. Many members died in Europe, some managed to emigrate and very few are still living in Germany. Almost daily there are new pieces in the puzzle found. The next step will be an article for the annual report of the Bergisch history society.